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Mittelstand Bayern - BLOG
Bitcoin- Seriöses Investment oder Schneeball-Prinzip?
Autor: Patrice Kaiser, Produkt- und Vertriebsmanager der MERKUR BANK
Datum: 14.01.2018
Kategorie: Finanzen
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Grund genug für uns, genauer hinzuschauen und die virtuelle Währung als mögliches Anlageobjekt zu prüfen.

Bitcoin – so funktioniert es

Bitcoin ist heute das Synonym für eine virtuelle Währung. Aber was genau verbirgt sich dahinter? Letztlich ist eine virtuelle Bitcoin-Münze nichts anderes als ein Zahlencode. Der Code belegt das Recht an einer virtuellen Münze. Mit Hilfe des Codes können innerhalb des Bitcoin-Netzwerkes Zahlungen ausgeführt werden. Die Zahlungen werden durch den Code legitimiert, wodurch die Bitcoins innerhalb des Netzwerks den Besitzer wechseln. Die Zahlung erfolgt dabei weitestgehend anonym und ohne zentrale Abwicklungsstelle.

Um Bitcoins zu kaufen oder aber in reale Währungen zurückzutauschen gibt es im Internet verschiedene Börsen-Anbieter. Der Tausch ist gegen eine mehr oder weniger hohe Gebühr relativ unproblematisch möglich. Als Nutzer benötigt man nur ein entsprechendes Programm für den Rechner oder das Handy. Wichtig, die Börsen sind nicht reguliert und unterliegen keiner staatlichen Aufsicht. Praktisch jeder, der sich am Bitcoin-Netzwerk beteiligt, kann eine eigene Tausch-Börse eröffnen.

Neue Bitcoins werden durch die Generierung neuer Code-Folgen mithilfe von hohen Rechenleistungen erzeugt. Man nennt diesen Vorgang Mining. Die Gesamtanzahl von Bitcoins ist durch das Basisprogram auf 21 Millionen Münzen begrenzt. Aktuell sind bereits 16,7 Millionen Münzen im Umlauf.

Bitcoins werden in erster Linie für Zahlungen im Internet verwendet. Dabei kommt es Nutzern vor allem darauf an, anonym zu bleiben. So sind Bitcoins das bevorzugte Zahlungsmittel von Drogen- und Waffenhändlern im Darknet oder von Hackern, die mit Hilfe von Schadprogrammen Unternehmen erpressen wollen. Außerdem investieren chinesische Investoren in Bitcoin, um den strengen staatlichen Zahlungsverkehrskontrollen zu entgehen.

Belastbare Statistiken, wer Bitcoins wozu tatsächlich nutzt, gibt es auf Grund der Anonymität der Zahlungen nicht. Jedoch werden Bitcoins außerhalb des Internets nur in sehr wenigen Ausnahmefällen als Zahlungsmittel akzeptiert. Eine Zahl zum Vergleich: Weltweit gibt es derzeit 852 Automaten, an denen Bitcoins in EUR oder US-Dollar ausgezahlt werden können. Demgegenüber finden Sie allein in Deutschland 58.340 normale Geldausgabeautomaten.

Bitcoin als Anlageobjekt

Anleger in der virtuellen Währung spekulieren darauf, dass durch die Begrenzung der Anzahl der Münzen und gleichzeitig steigender Nachfrage besonders aus China der Preis weiter steigt. In der Vergangenheit waren auch extrem hohe Gewinne in kürzester Zeit möglich. Zum Beispiel ist der Kurs in diesem Jahr in der Spitze bereits um 578 % gestiegen. 

Aber ist diese Hoffnung für die Zukunft berechtigt? Aus unserer Sicht spricht vieles dagegen. Der Kursanstieg in diesem Jahr ist im Wesentlichen auf chinesische Anleger zurückzuführen. Mittlerweile hat die chinesische Regierung Maßnahmen beschlossen, die Flucht in Bitcoin zu unterbinden. Dadurch sind viele chinesische Anbieter gezwungen ihr – offizielles – Geschäft zu beenden. Auch andere Staaten, zum Beispiel Russland, prüfen ein Verbot der Bitcoin um Terrorfinanzierung und Geldwäsche zu unterbinden. Letztlich lebt aber die Bitcoin –wie jede Währung –  vom Vertrauen in die Werthaltigkeit und vor allem Nutzbarkeit. Sobald diese nicht mehr im legalen Rahmen gegeben ist, sinkt die Nachfrage und damit der Preis.     

Auch die Begrenzung der Anzahl der Bitcoins ist nur theoretischer Natur. Erstens kann es jederzeit Abspaltungen geben. So geschehen vor wenigen Monaten, als sich Bitcoin Cash von der Ursprungswährung trennte. Zweitens gibt es bereits heute eine Vielzahl weiterer Anbieter, die virtuelle Währungen anbieten.  Aktuell werden schon 1.278 verschiedene Kryptowährungen angeboten (Quelle: coinmarketcap.com, Stand 14.11.2017). Tendenz steigend!

Letztlich ist der Markt weitestgehend ohne Regeln und ohne geregelte Börsen. Das führt zu extrem starken Schwankungen. So verlor der Kurs binnen 5 Tagen nach dem Höchstkurs schon wieder knapp 19%. Bei solchen Schwankungen spricht man am Aktienmarkt von einem Crash.

Bitcoin – das Fazit

Zusammengefasst ist unser Standpunkt, dass sich Bitcoins nicht als seriöse und nachhaltige Anlagealternative eignen. Gewinner sind bisher die Produzenten der digitalen Währung, die Börsenbetreiber und Investoren, die früh in Bitcoins eingestiegen sind. Die mit der Anlage verbundenen Risiken sind weitestgehend nicht zu kalkulieren. Interessierte Anleger sollten sich dieser hohen Risiken bewusst sein. Sofern Sie ernsthaft über eine Investition nachdenken, rechnen Sie mit dem Totalverlust des eingesetzten Kapitals.

Erst-Investitionen 2017 in neu generierte Kryptowährungen (Quelle: Statista.de)

Kursentwicklung Bitcoin – EUR seit 28.04.2013.

Tipp der Redaktion:

Auf dem Impulstag können Sie alle Ihre Fragen persönlich an Herrn Kaiser richten. Außerdem hält er einen spannenden Impulsvortrag "Trumps Wirtschaftspolitik und ihre Folgen – aktueller Stand und Perspektiven"